ESL-Kongress in Stuttgart

 

Am 26. und 27. Mai 2017 fand im Konferenzcenter am Stuttgarter Flughafen der 43. Kongress der Europäischen Lymphologischen Gesellschaft (ESL) unter Leitung von Prof.Dr.med. Etelka Földi als Kongresspräsidentin statt. Zahlreiche europäische und außereuropäische Wissenschaftler gestalteten das Programm mit interessanten Vorträgen in englischer Sprache.

Die Hauptziele des Kongresses wurden erüllt: Die Richtung zukünftiger theoretischer und klinischer Forschung vorzugeben sowie die alltägliche Arbeit im Rahmen der Behandlung von Lymphödempatienten zu bereichern.

Nachfolgend können Sie den Brief der Kongresspräsidentin lesen:

Lymphologie zwischen Disziplinen

Erkrankungen des Lymphdrainagesystems stellen vielfältige Krankheitsbilder dar, welche von folgenden Faktoren abhängen:

  • Sie können Folgen von Genmutation oder Teil eines Syndroms mit multiplen Malformationen sein.
  • Folgen sekundärer Schädigungen – operativer, chemotherapeutischer, strahlentherapeutischer, traumatischer Einflüsse, usw.
  • Lokalisation der krankhaften Funktionsstörung: Initiale Lymphgefäße (Lymphbildung); Lymphkollektoren (Lymphtransport); Lymphknoten (Teil des Lymphtransportes und vielfältige weitere Funktionen); Lymphstämme (Zuführung der Lymphe in das Venensystem).

Unabhängig von dem erkrankten Segment des Lymphdrainagesystems entsteht eine Störung der Homöostase des betroffenen Gewebes mit sekundären pathophysiologischen und pathomorphologischen Veränderungen, welche sich dann in einem eigenständigen Krankheitsbild manifestieren. Die häufigsten Krankheitsbilder sind die Lymphödeme mit verschiedener Lokalisation. Dies bedeutet, dass die Erkrankung eines Gefäßsystems ohne Behandlung zu einer chronischen Bindegewebeserkrankung führt. Damit taucht die Frage auf: Ist Lymphologie als eine Gefäßerkrankung – wie bei den Arterien und Venen – zu bezeichnen und das Lymphödem als ein Symptom - wie das Fieber bei entzündlichen Prozessen -  oder ist es eine eigenständige Erkrankung des Bindegewebes? Nach Definition der WHO ist das Lymphödem eine chronische Krankheit, welche ohne adäquate Therapie progredient ist mit schwerwiegenden Komplikationen.

Angesichts dieser Doppelgesichtigkeit der klinischen Lymphologie wird das Lymphödem mehreren Disziplinen zugeordnet: Der Angiologie einschließlich Gefäßchirurgie, Dermatologie, Phlebologie und der inneren Medizin. Ein Handicap der Lymphologie ist das Fehlen valider diagnostischer Maßnahmen. Die Therapie ist meist konservativ und nur in einem kleineren Anteil chirurgisch.

Bereits 1892 hat der Chirurg Winiwarter erkannt, dass die effektivste Behandlung des Lymphödems die physikalische Therapie ist, bestehend aus manuellen Techniken, Kompressionsbandagen Hautsanierung und einer gesunden Lebensweise. In den letzten Jahrzehnten wurde die Wirksamkeit dieser physikalischen Therapie, die wir heute als ML/KPE bezeichnen, weltweit untersucht einschließlich der Wirksamkeit einzelner Komponenten. Um die ML/KPE des Lymphödems als eigenständiges Berufsbild zu etablieren sind weitere wissenschaftliche Studien dringend notwendig.

Diese besondere Form des 43. Kongresses der European Society of Lymphology hat sich zum Ziel gesetzt festzustellen wo wir bezüglich diagnostischer Maßnahmen und Therapieformen stehen und in welche Richtung sich zukünftige theoretische und klinische Forschungen bewegen sollten. Ein Ziel ist es multizentrische Studien nach streng festgelegten klinischen Parametern und mit einer genügenden Anzahl von Patienten durchzuführen.

Professor Dr. med. Etelka Földi
Kongresspräsidentin